Heimat- & Geschichtsverein Worfelden

...weil uns unsere Heimat am Herzen liegt!

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800 Jahre Büttelborn

Mit der Postkutsche durch 700 Jahre Stadtgeschichte - Ausflug nach Meisenheim am Glan (Pfalz)

Als wir durch das Stadttor der ehemaligen Reichsstadt Meisenheim am Glan gingen, wurden wir kritisch vom Turmwächter in seiner traditionellen Tracht beäugt. Worfelder hatte er offensichtlich noch nicht viele gesehen, und diesmal waren es gleich 76 auf einmal, die seine Pforte passierten und sich in der weniger als 2.000 Einwohner zählenden Altstadt ausbreiteten, die damit – so viel Mathematik muss eine Stadt vertragen können – wesentlich kleiner ist als das Heimatdorf der Besucher.

Warum also sollte es Meisenheim sein? Es war vor allem das nie zerstörte Stadtbild, das die Mitglieder und Freunde des Heimat- und Geschichtsvereins davon überzeugt hatte, dass sich ein Tagesausflug hierher lohnt. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir dann zufällig zum „Tag der Region“ nach Meisenheim, an dem zahlreiche Stände in den alten Gässchen und am Schlossplatz aufgebaut waren, historische Personen in ihre passenden Kostüme geschlüpft waren (unter ihnen der erwähnte Turmwärter) und die Postkutsche des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken für einen Tag wieder durch die Stadt bretterte.

 

Bei einer Stadtführung erfuhren wir, dass Meisenheim nicht wirklich dafür bekannt sei, dass dort besonders viele Menschen von einem bestimmten Vogel im Oberstübchen geplagt seien, vielmehr leite sich der Stadtname vermutlich von einem Franken namens Meiso ab, der sich etwa im 7. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Stadt niedergelassen habe. Sicherer ist man sich bei der Verleihung der Stadtrechte: Fast 700 Jahre ist es her, dass Meisenheim – damals sogar noch kleiner als heute – im Jahr 1315 vom späteren Kaiser Ludwig dem Bayern zur Stadt gemacht wurde. An vielen Stellen kann man den Ring der in dieser Zeit errichteten Stadtmauer noch sehen, durch deren einziges erhaltenes Stadttor wir die Stadt betreten hatten. Vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. bei dessen Zerstörung der pfälzischen Städte ebenso verschont wie später von Napoleon und den Bombern der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, präsentierte sich uns das Städtchen in einer nur noch selten anzutreffenden Pracht vergangener Zeiten, mit unzähligen erhaltenen Fachwerkhäusern, Adelsanwesen und einer Ritterherberge. Mit Erstaunen nahmen wir auch zur Kenntnis, dass der kleine Ort heute über ein Krankenhaus und vier Zahnärzte verfügt. Offensichtlich bedeutet die Tatsache, dass Meisenheim ein anerkannter Erholungsort ist, also zumindest nicht, dass hier weniger Menschen über körperliche Beschwerden und Karies zu klagen haben.

Im Anschluss an die Stadtführung konnten wir uns am Schlossplatz, zwischen den Ständen regionaler Künstler, Obstbauern und Imker, an der Live-Musik auf der Bühne erfreuen, bevor die Organistin der Schlosskirche ein kleines Privatkonzert für uns gab. Die reich geschmückte Orgel klang zwar für die an alte Klänge gewöhnten Worfelder Ohren eher neumodisch (die Barock-Orgel der Worfelder Kirche ist immerhin fast 150 Jahre älter), doch konnte uns die Musikerin mit einer Auswahl von Stücken von Johann Sebastian Bach bis zur Gegenwart begeistern, wobei sie dem Instrument mit unterschiedlich gezogenen Registern das Äußerste abverlangte und demonstrierte, wie die „Vox humana“ genannte Imitation der menschlichen Stimme durch Orgelpfeifen klingt.

Nach kurzer Busfahrt genossen wir ein deftiges Abendessen im Gewölbekeller des Landguts Bonnheimer Hof bei Hackenheim. Neben gutbürgerlicher Küche erwarteten uns dort verschiedene Weine aus eigenem Anbau, die in einem Weinlädchen käuflich erworben werden konnten. Pünktlich um 22 Uhr erreichte unser Bus die Gemarkung Worfelden nach einem gelungenen Ausflugstag.

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