Heimat- & Geschichtsverein Worfelden

...weil uns unsere Heimat am Herzen liegt!

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800 Jahre Büttelborn

Geschichte Worfeldens

 

- Von Georg Engel (Schlosser-Schorsch) -

 

NAME:

Quelle: Hessisches Ortsnamenbuch

 

Früher hatte Worfelden noch ein paar andere Namen:

Urfelt, Würfelt, Worveldin, Wohrfelden und schließlich Worfelden.

Deutung des Namens:

1. "ur" = feucht (feuchtes Feld)

2. "wara" = Obhut, Schutz

(Die Vokale waren für den Sinn des Wortes - im Gegensatz zu den Konsonanten - kaum von Bedeutung.)

 

ADEL VON WORFELDEN:

1252:

Emerhe, filius Worfelnderes, Gerungus, frater eius werden als adlige Zeugen für Konrad Reiz v. Breuberg auf der Burg Frankenstein genannt.

1297:

Heinrich von Worfelden, Bürge für Graf Eberhard von Katzenelnbogen

1305:

Hermann von Wornfelden, Wäppner, Sohn des Gernod v. W.(Centgraf in Erfelden)

1380:

Ernestus de Worfelden, scabinus* in Oppenheim, begraben in der dortigen Katharinenkirche

* Schöffe beim Gericht

1388:

Heinrich von Worfelden, Schöffe zu Oppenheim, führt in seinem Siegel ein Schild mit zwei übereinanderstehenden Jagdhörnern.

1394:

Heinrich Ernst, Gernunst Sohn von Worfelden, Grundbesitzer in Erfelden und Poppenheim (einer Wüstung* unweit von Erfelden)

* verlassene Siedlung

Clais von Worfelden, Sänger zu St.Katharinen in Oppenheim sowie sein Bruder Ernst, Vikar daselbst, Jungfrau Gudechin, des Sängers Schwester und Jungfrau Katharina, ihre Wasen

1397:

Gernot von Wurfelden, Bürger zu Oppenheim und Gudele, seine Ehefrau

1399:

Clas Ernst von Worfelden, Sänger zu Oppenheim, Angrenzer in Erfelden

Anmerkung: Die Worfelder müssen tolle Stimmchen gehabt haben!

 

AMT:

1783 gehört Worfelden zum Amt Rüsselsheim

BEDE (Steuer der Untertanen an den Landesherrn und der Leibeigenen an den Leibherren, in diesem Falle an den Landgrafen von Darmstadt; anfänglich waren es die Dornberger Landgrafen, danach die Grafen von Katzenelnbogen):

1503 - 80 Gulden (fl.)

1571 - 82   "

1689 - 105 fl. 36 kr. (Kreuzer)

1702 - 108 fl. 51 kr.

 

GEMARKUNG:

1571 bilden das Niederbraunshardter Feld bei Büttelborn und das Gravensee zwei selbständige Gemarkungsteile.

1791 hat der Ort 2 002 Morgen*, meist Sandfeld, 157 Morgen Wiesen, weder Wald noch Weide. Den Wald hatte man nämlich um 1670 an Klein-Gerau verkauft. Darüberhinaus verpflichtete man sich seinerzeit, sich um den Unterhalt der Brücke über den Dohlengraben zu kümmern.

* 1 Morgen = 2500 Quadratmeter

früher = 3388 Quadratmeter

 

FLURNAMEN:

1354 - Im Grawen See

1358 - An dem Helrywege

- In den nuen Rodern

- Nartenbruchweg

- Ymerßerweg

- In dem Damme

- In dem Loe

- An dem Osthouer

1460 - Der Grae See (später im groben See)

1571 - Landbach, Oberwiese, Lochwiese, Lachwiese

 

GERICHT:

1416 gehört Worfelden zur Cent Groß-Gerau

Ein Cent war ein Teil eines Gaus, zu dem zahlreiche Dörfer gehörten. Es war auch ein eigener Militärbezirk und hatte sein eigenes Centgericht.

1571 ist der Landgraf Gerichtsherr, er hat die hohe (Cent-) und niedere Gerichtsbarkeit.

 

SIEGEL:

1622 sieht das Gerichtswappen von Worfelden so aus: Ein Reichsapfel im Schild. 1647 erscheint das Siegel bereits in seiner heutigen Form mit einem veränderten Kreuz.

Anmerkung von Georg Engel: Ein Reichsapfel im Siegel ist recht ungewöhnlich, ist er doch neben Krone und Zepter das Zeichen der monarchischen Herrschaft. Der Reichsapfel ist eine Kugel, die die Welt symbolisiert; obenauf als Zeichen christlicher Weltherrschaft ein Kreuz. Man fand diesen "Apfel" bis 1806 und von 1871 bis 1918 in den Wappen von Österreich, Preußen und Rußland.

So stellte sich natürlich immer die Frage, wie die Worfelder an den "Apfel" kamen. In Gräfenhausen hat man mich dann schlau gemacht!

Im Jahre 1420 erhielten die Herren von Waldbrunn den kleinen Zehnten*) von Worfelden. Die Waldbrunner ihrerseits vertraten die Pfälzer Pfalzgrafen als Truchsessen*) und durften daher auch den Reichsapfel im Wappen führen.

*)Zehnte: Abgabe *)Truchsesse: Die mit diesem Amt verbundene Nähe zu den Grafen brachte viele Aufgaben mit sich, so z.B. als Ratgeber, Verwalter von Reichsgütern oder zeremonielle Aufgaben bei Festen der Grafen.